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Chronologie

Who is Who
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Alma und die Musik
Kokoschkas Alma-Bilder
Die Alma-Puppe

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Maria Anna Mahler, Tochter
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Hanns Martin Elster
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Georg Moenius
 

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Alma & der Semmering
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Alma & Jerusalem
Alma & Lissabon
Alma & Los Angeles
Alma & New York

 

Alexander Zemlinsky (1872-1942)
Komponist, Almas Kompositionslehrer & Liebhaber

Im Februar 1900 traf die zwanzigjährige Alma in der Villa Spitzer auf der Hohen Warte auf Alexander von Zemlinsky. Der 29-jährige Komponist galt als eine der großen Hoffnungen der Wiener Musikszene. Als Alma ihn zum ersten Mal in einem Sinfoniekonzert sah - Zemlinsky dirigierte im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins die Uraufführung seiner Kantate „Frühlingsbegräbnis“ - notierte sie erschrocken in ihr Tagebuch: Eine Carricatur - kinnlos, klein, mit herausquellenden Augen und einem zu verrückten Dirigieren.

> Alma und die Musik Zemlinskys

Alexander Zemlinsky Alexander Zemlinsky
     
"Ich will dich – mit jedem Atom meines Fühlens!"

Gut zwei Wochen später lernte Alma den Komponisten auf einer Soiree persönlich kennen und fand ihn immer noch furchtbar hässlich, hat fast kein Kinn - und doch gefiel er mir ausnehmend. Alma und Zemlinsky unterhielten sich an diesem Abend lange über Richard Wagner, insbesondere über den „Tristan“. Als Alma ihm eröffnete, dieses Werk sei ihre Lieblingsoper, war Zemlinsky so erfreut, dass er nicht wiederzuerkennen war. Er wurde ordentlich hübsch. Jetzt verstanden wir uns. Er gefällt mir sehr - sehr. Alma hatte fortan nur noch einen Wunsch: Ich möchte beim Zemlinsky lernen. Wenn Mama's nur erlaubt.

Auch Zemlinsky fand an dieser Vorstellung Gefallen und versprach schließlich, Alma im Winter in seinen Schülerkreis aufzunehmen. Bis dahin sollte sie ihm einige ihrer Kompositionen überlassen, damit er sich ein genaueres Bild von ihrem derzeitigen Wissensstand machen könne. Was er dann vorgelegt bekam, war allerdings für ihn eine herbe Enttäuschung. „Es sind in den drei Liedern so unerhört viele Fehler“, schrieb er an Alma, „dass mir der Kopf brummte.“ Alexander von Zemlinsky war ein strenger Lehrer mit einem unbestechlichen Blick. Er kritisierte die Einfälle seiner Schülerin und machte Alma unmissverständlich klar, dass ihre Oberflächlichkeit einem Erfolg als Komponistin im Wege stand. „Entweder Sie componieren“, hielt er ihr einmal entgegen, „oder Sie gehen in Gesellschaften - eines von beiden. Wählen Sie aber lieber das, was Ihnen näher liegt - gehen Sie in Gesellschaften.“

Alma Schindler Widmung Alma Schindler Widmung
     
Photographie von Alma Schindler (um 1900) mit Ihrer Unterschrift.
Rückseite mit Almas Widmung an Zemlinsky: "Herrn Alexander von Zemlinksy in aufrichtiger Freundschaft."

Zwischen der attraktiven und parkettsicheren Alma und dem zurückhaltenden Zemlinsky entwickelte sich bald ein intensives Verhältnis. Unter seiner Führung komponierte das musikalisch begabte Fräulein eine Reihe von Liedern nach Gedichten von Rilke, Heine, Werfel u. a. Zemlinsky war ein unvergleichlicher Pädagoge, er war der Lehrer Arnold Schönbergs, mit dem er auch in Freundschaft verbunden war.

Nachdem Gustav Klimt Alma in Venedig den ersten Kuß geraubt hatte, trat Zemlinsky in Almas Herzen dessen Nachfolge an, ab Herbst 1900 ging es um mehr als um den Unterricht. Zemlinsky und Alma Schindler begannen eine ebenso heftige wie problematische Liebesbeziehung, Sie ließ sich von ihm küssen, streicheln, erlaubte ihm jede Intimität bis auf die letzte und raubte ihm damit fast den Verstand. Er seinerseits verstand es, Almas erwachende Sexualität mit einer Leidenschaftlichkeit zu erwecken, die sie seine «Virtuosenhände» nie vergessen ließ. Die Beziehung war ein Wechselbad der Gefühle, Alma quälte Zemlinsky zwei Jahre lang, bis sie sich 1902 gegen ihn und für eine Ehe mit dem um zwanzig Jahre älteren Gustav Mahler entschied.

Almas Tagebücher und Zemlinskys Briefe dokumentieren die Leidenschaft dieser Beziehung (Zemlinsky: „Ich will dich - mit jedem Atom meines Fühlens.“) - und warum das ungleiche Paar nicht zusammenkommen konnte. Alma bewunderte die Musik und den Geist Zemlinskys und erlag seiner großen erotischen Ausstrahlung, konnte sich jedoch nie mit seinem Äußeren und seiner Herkunft aus „kleinen“ Verhältnissen identifizieren - schon gar nicht in der für sie so wichtigen Öffentlichkeit und gegenüber ihren Eltern, die Zemlinsky von Anfang an nicht akzeptierten. Zemlinsky seinerseits liebte Alma abgöttisch, war aber angewidert von der Eitelkeit der Salons und von den „von Cliquentum verkalkten Seelen“ (Zemlinsky), mit denen sie verkehrte. Er erträumte sich „ein kleines gedämpftes Zimmerchen, recht behaglich“, in dem er mit Alma „nach der Arbeit zusammen sein“ wollte - ein Bild, in das eine der seinerzeit begehrtesten Frauen Wiens so gar nicht passte.

Alexander Zemlinsky Alexander Zemlinsky Alexander Zemlinsky
         
Zemlinsky Karikatur
Alexander von Zemlinsky in späteren Jahren.

Zemlinsky hatte bald genug von Alma: "Endlich empört sich ein wenig mein Stolz", schrieb er ihr Ende Mai 1901: "Meine Liebe, Du betonst so oft, so oft Du nur kannst, wie lächerlich wenig ich bin und habe, wie viel mich ungeeignet macht, Dir zu gehören! Hast Du so viel zu geben, so unendlich viel, dass andere Bettler dagegen sind?! Liebe gegen Liebe, sonst kenne ich nichts. Du bist sehr schön, und ich weiß, wie sehr ich diese Schönheit schätze. Und später? In 20 Jahren???"

Nach Almas Heirat mit Mahler brach der Kontakt zwischen beiden zunächst ab; nach 1903 kam es aber wieder zu regelmäßigen Briefwechseln und Begegnungen. Auch viele Jahre nach ihrer Liebesbeziehung löste die Begegnung mit Alma Mahler besondere Gefühle in ihm aus. Als sich Alma 1917 negativ über Zemlinskys Oper "Eine florentinische Tragödie" äußerte, reagierte er mit einem seiner rhetorisch brillantesten Briefe voller Schärfe und Emotion.

Viele Werke Zemlinskys sind entweder Alma gewidmet oder spiegeln das Verhältnis der schönen, unerreichbaren Frau und des "hässlichen Gnoms" wieder. Zemlinskys Oper "Der Zwerg" (nach Oskar Wilde, uraufgeführt 1922). In diesem Einakter bekommt eine schöne Prinzessin einen Zwerg als Geburtstagsgeschenk, der sich noch nie im Spiegel gesehen hat. Er verliebt sich in sie und glaubt auf Gegenliebe zu stoßen, nachdem ihm die Prinzessin als Spaß für die Gesellschaft eine Rose zuwirft. Am Ende wird er über das üble Spiel aufgeklärt, sieht sich im Spiegel - und stirbt.

Zemlinsky war auch Gast bei Almas legendärer Abschiedsparty am 12. Juni 1937, die sie vor ihrer Emigration nach Amerika in ihrer Villa auf der Hohen Warte gab. In ihrer Autobiographie "Aus meinem Leben" gibt Alma eine verkürzte und verharmlosende Darstellung ihres Verhältnisses zu Zemlinsky wider, die deutlich von den früheren Tagebucheintragungen abweicht.