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Emigration (1938 - 1945)
Am 12. Februar 1938 unterzeichnete Bundeskanzler Kurt von
Schuschnigg mit Nazideutschland das Berchtesgadener
Abkommen, das das Ende Österreichs als selbstständiger
Staat einleitete. Alma und Franz Werfel erfuhren auf der Insel
Capri davon, wohin sie im Zuge einer mehrwöchigen Italienreise
gelangt waren.
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Alma mit Ihrer Tochter Anna Mahler
1933
in der Villa auf der Hohen Warte
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Alma und Franz Werfel
1935 in New York
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Ende Februar 1938 reiste Alma inkognito und allein nach Wien
zurück, wo sie alle Bankkonten auflöste und das
Geld durch ihre langjährige Vertraute Ida Gebauer, genannt
Schulli, in die Schweiz schmuggeln ließ.
Am 12. März, dem Tag des Anschlusses Österreichs
an das Großdeutsche Reich, reiste sie mit ihrer Tochter
Anna, die als Halbjüdin nun bedroht war, über Prag
und Budapest nach Mailand, wo Werfel bereits auf sie wartete.
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Alma und Werfel 1937
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Alma und Werfel 1933
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Alma in Sta. Margharita
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Die Beziehung zwischen Franz Werfel und Alma Mahler-Werfel
hatte sich noch nicht wieder gefestigt, in ihrem Tagebuch
schrieb Alma von zwei Menschen, die nach zwanzig
Jahren Zusammensein zwei unterschiedliche Sprachen sprächen
und deren Rassenfremdheit unüberbrückbar
war. Trotzdem ließen sich die beiden im südfranzösischen
Fischerdorf Sanary-sur-Mer in der Nähe von Marseille
nieder, wo sich bis 1940 viele Emigranten wie Bertolt Brecht,
Ludwig Marcuse, Thomas und Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger
und Ernst Bloch zeitweise aufhielten.
Zu diesem Zeitpunkt erwog Alma Mahler-Werfel die Scheidung
und ließ über das Reichspropagandaamt vorfühlen,
ob sie in Österreich willkommen sei. Warum sie sich dennoch
entschied, ihrem jüdischen Ehemann ins Exil zu folgen,
mag an der Angst der mittlerweile fast 60-Jährigen vor
Einsamkeit gelegen haben.
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Moulin Gris,
Almas und Werfels Refugium in Sanary-sur-Mer, 1938
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Alma (rechts) mit Hut während
einer Gondelfahrt in Lourdes, 1940
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Als das Ehepaar im Juni 1940 Sanary-sur-Mer verließ,
hatte die deutsche Wehrmacht bereits Paris besetzt. Das Ehepaar
besaß keine Visa für die USA und musste im Wallfahrtsort
Lourdes fünf Wochen warten, um eine Reisegenehmigung
bis nach Marseille zu erhalten. In dieser Zeit beschäftigte
sich Werfel mit der Geschichte der heiliggesprochenen Bernadette
Soubirous und gelobte, einen Roman über sie zu schreiben,
falls die Flucht nach Amerika gelingen sollte. So entstand
Das Lied von Bernadette, Werfels erfolgreichster
Roman, der 1943 in Hollywood Oscar-gekrönt verfilmt wurde.
In Marseille trafen die Werfels schließlich auf Heinrich,
Nelly und Golo Mann, mit denen sie in einem stundenlangen
Marsch zu Fuß die Pyrenäen überquerten. Der
amerikanische Journalist Varian Fry vom Emergency Rescue Committee
organisierte den heimlichen Übertritt nach Spanien und
die Weiterfahrt nach Madrid, wobei Alma couragiert die Gruppe
anführte. Franz wäre ohne sie einfach liegen
geblieben und zu Grunde gegangen beschrieb Carl Zuckmayer
später ihren Heroismus.
>
Lesen sie die Details der abenteuerlichen Flucht
Von Madrid gelangten die Flüchtlinge per Flugzeug weiter
nach Lissabon, und von dort mit der Nea Hellas
in die rettende Freiheit. Am 13. Oktober 1940 kamen sie in
New York an:
Die Ankunft im New Yorker Hafen ist wie immer ein
grandioses Erlebnis. Wir wurden von einer großen Menge
von Freunden am Pier erwartet, alle hatten Tränen in
den Augen und wir nicht minder.
Exil in Kalifornien
Das Ehepaar Werfel ließ sich in Los Angeles nieder,
wo zahlreiche deutsche und österreichische Emigranten
wie Thomas Mann, Max Reinhardt, Alfred Döblin, Arnold
Schönberg und Erich Wolfgang Korngold lebten, die bald
regelmäßig in Almas Haus verkehrten. Durch diese
Kontakte gestaltete sich Almas Aufenthalt in Kalifornien angenehm,
ihr Salon florierte bald wieder wie in Wien und sie gefiel
sich im Mittelpunkt aller Intrigen. Für Aufregung sorgte
ein Streit, den Alma zwischen Arnold Schönberg und Thomas
Mann über das geistige Eigentum des Romans Dr.
Faustus entfachte.
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Alma mit Ihrem
Butler August Hess, Franz Werfel und dem neuen Auto
vor dem Haus Los Tilos Road 1941
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Alma und Franz
Werfel im Garten Ihres Hauses in Los Angeles 1941
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Die finanziellen Mittel waren ausreichend, um sich in einem
Villenviertel oberhalb der Stadt an der Adresse 6900 Los Tilos
Road niederzulassen und sogar August Hess zu engagieren, der
gleichzeitig als Kammerdiener, Chauffeur und Gärtner
fungierte. Werfel arbeitete intensiv an dem Roman über
Bernadette Soubirous. Werfels Roman Das Lied von Bernadette
wurde zu einem US-Bestseller, von dem innerhalb weniger Monate
400.000 Exemplare verkauft wurden. Twentieth Century Fox erwarb
die Filmrechte. Rezensionen erschienen in zahlreichen US-Tageszeitungen
und Radio-Interviews mit Werfel wurden landesweit ausgestrahlt.
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Alma und Werfel
vor ihrem Haus in der Los Tilos Road 1941
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Alma und Werfel
am Set zu "Midnight" (1939) mit Claudette
Colbert und Don Ameche (Regie: Mitchell Leisen)
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Werfels Sekretär Albrecht Joseph, der spätere Ehemann
Anna Mahlers, berichtet aus dieser Zeit ein bezeichnendes
Erlebnis:
Man stritt sich über die Nachrichten, die wie
immer ziemlich schlecht waren. Alma vertrat den Standpunkt,
dass es gar nicht anders sein könnte, da die Alliierten
Amerika war noch nicht in den Krieg eingetreten
degenerierte Schwächlinge wären, und die Deutschen,
inklusive Hitler, Supermänner. Werfel ließ diesen
Unsinn nicht gelten, aber Alma gab nicht nach. Der sinnlose
Streit dauerte ungefähr zehn Minuten, dann klopfte Werfel
mir auf die Schulter und sagte: Lass uns nach unten
gehen und arbeiten. Mitten auf der engen Wendeltreppe
blieb er stehen, drehte sich zu mir und sagte: Was soll
man mit so einer Frau nur machen? Er schüttelte
den Kopf: Man darf nicht vergessen, dass sie eine alte
Frau ist.
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Alma mit Thomas
Mann und
Eugene Ormandy nach einem Konzert von Mahlers 8. Sinfonie
in der Hollywood Bowl im Juli 1948
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Das Haus 610
Bedford Drive das Alma und Werfel im September 1942
in Beverly Hills bezogen.
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Die mit Werfels schriftstellerischem Erfolg einhergehende
Verbesserung der finanziellen Lage ermöglichte es dem
Ehepaar, in Beverly Hills, 610 Bedford Drive, eine komfortablere
Villa zu erwerben, wo später Bruno Walter ihr Nachbar
wurde. Zur Arbeit zog sich Werfel oft nach Santa Barbara zurück,
eine räumliche Trennung, die es dem Ehepaar ermöglichte,
trotz größter Differenzen immer wieder zueinanderzufinden
und die Beziehung über 25 Jahre stabil zu halten.
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Alma mit Igor Stravinsky in Los Angeles
1946
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Alma mit Ihrem Taufkind Erika, der
Tochter Walter Slezaks 1945
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Alma mit Franz Werfel bei Dreharbeiten
in Hollywood 1943
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Unweit der neuen Villa lebte nicht nur Friedrich Torberg,
sondern auch Ernst Deutsch, ein Jugendfreund Werfels, das
Ehepaar Schönberg und das Ehepaar Feuchtwanger. Der Autor
Erich Maria Remarque wurde zu Almas Zechkumpan, der ihr nach
der ersten durchfeierten Nacht eine Flasche russischen Wodka
in einen riesigen Blumenstrauß gehüllt schenkte.
In der Nacht des 13. September 1943 erlitt Franz Werfel einen
schweren Herzinfarkt, von dem er sich in der ersten Jahreshälfte
1944 nur langsam erholte. Im Sommer 1945 vollendete Werfel
gerade seinen utopischen Roman Stern der Ungeborenen,
als sich sein Gesundheitszustand dramatisch verschlechterte.
Am 26. August 1945 erlag er einem Herzinfarkt.
Alma nahm selbst nicht an der Beisetzung teil. Die Trauerrede
hielt Pater Georg Moenius, der in seiner Rede sehr genau auf
die Taufriten der katholischen Kirche einging, was zu Spekulationen
geführt hat, dass Alma an Werfel noch nach seinem Tod
die Nottaufe habe vollziehen lassen.
Franz Werfel hinterließ einerseits einen umfangreichen
Nachlass, mit dessen Organisation sich Alma nun zu beschäftigen
begann, und andererseits eine große Witwe,
die ihrer Einsamkeit zunehmend mit Hilfe ihres Lieblingslikörs
Bénédictine Herr zu werden versuchte.
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Grande Veuve (1945 - 1964)
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